Ulaan Baatar.. der Rote Held

Ulan Bataar ist das ultimative Zentrum der Mongolei, welche (auch mit massiver Unterstuetzung der DDR) als eine sozialistische Musterhauptstadt in die Steppe transplantiert wurde. Am Rand stehen die ueblichen Plattenbauten alla Prohlis und Berlin-Hellersdorf und werden von wilden Ger- Siedlungen umschwaermt. Im Zentrum setzen sich immer mehr Glasfassaden durch und versuchen mir eine westlich Hauptstadt vorzugaukel, was ein hoffnungsloser Versuch bleibt, den Ulan Baatar besitzt einfach zu viel provienziellen Charme. Bei eisigen Temperaturen erwandere ich die kaelteste Hauptstadt der Welt und bin immer wieder froh in das bescheidene Fuenfzimmerhostel mit integrierter Eigentuemerfamilie zurueck zu kommen. Der Verkehr kriecht auf frostgeloecherten Strassen im Schritttempo umher und macht (dank der stolzen KfZ-Fuehrer) jeden Strassenueberquerungsversuch zu ner mustergueltigen Mutprobe. Im Dunkeln sollten wir auch (Warnung des Hostelboss) bestimmte Wohngebiete meiden.
Tja,.. so wie Ulan Bataar ist auch meiner Meinung das ganze Land. Ein Land dem beim Spagatversuch zwischen Tradition und westlicher Moderne der Hosenschritt zerreisst. Ein Land was aber vor allem Dank seiner unglaulichen Landschaften einen sehr schoenen Abschluss meiner Reise abgibt.

Von Ger zu Ger

Ger ist der mongolische Name fuer das bei uns verbreitete tuerkische Wort Jurte. So, und der Plan besteht darin eben von Ger zu Ger zu wandern, zu reiten, zu fahren, dort mit zu arbeiten und so eben ein ganz persoenliches Mongoleibild zu erhaschen.
Natuerlich laesst sich der geschaeftstuechtige Mongole ordentlich bezahlen, .. aber was hab ich nicht alles das Jahr lang unternommen um euch spannende Berichte schreiben zu koennen;-) Bei Bier und Keks findet sich schnell ein gleichgesinnter Backpacker und so fahren ich mit Reimund (Holland) am kommenden Tag im Ueberlandbus in den Teres Nationalpark. An der vereinbarten Bushaltestelle werden wir von unserem ersten Gastvater abgeholt.. und natuerlich (zu meinem Schreck) mit Pferden. Den warmen Bus tauschten wir nur ungern gegen die harten Saettel der mongolischen Pferde ein, denn bei – 38 Grad Celsius war das alle, nur kein lustiger Ausritt. Endlich (nach gefuehlten 10 Stunden) erreichten wir nun die Familienjurte (bzw.- Ger) und war voellig baff wie kuschelig warm und gemuetlich sei ein Gebaeude ist.

..die erste Familie, in der warmen Ger und Von Aussen
Die kommenden sechs Tage wurden wir nun von Familie zu Familie weiter gereicht, hackten Berge von Holz, wolken Kuehe, sammelten Kuhscheise ein (sehr handliche gefrohrene Kugeln, wozu weis ich nich) tranken unmengen an gesalzenem Milchtee und bekamen immer wieder das gleiche essen (zu fast jeder Tageszeit) vorgesetzt… Gekacktes Kuhfleisch mit Nudeln und Kartoffeln,.. wahlweise als Suppe oder als Tellergericht.
Der tragische Hoehepunkt stellte fuer mich der Transport zu Pferde von Familie zwei zu Fam. drei dar, wobei ich nicht weis ob es schlimmer fuer mich oder fuer das Pferd war. Noch nie hab ich mir ein Fahrrad gewuenscht wie auf dieser vier Stunden dauernden Totur und so drueckte ich auch nach 3 Stunden dem Besitzer (unserem Guide) seinen Rappen in die Hand, lies mir den weg beschreiben und wanderte die letzten Kilometer. Ich mag Pferde sehr,,, wenn ich nicht auf ihnen reiten muss. Nur knapp einem Bandscheibenvorfall entgangen, wurden wir am naechsten Tag auf Kamele verfrachtet. Ich will auch fuer das Kamelreiten nicht unbedingt werben, wahr aber wesentlich zufriedener auf meinem Wuestenschiff. Reimund mein Reisepartner hatte an diesem Tag zu leiden, denn dein Kamel wollte ihn so gar nicht auf sich reiten lassen und versuchte ihn immer wieder abzuwerfen (was aus drei meter hoehe nicht wirklich lustig ist). Nun wir ueberlebten auch diesen Ritt und kame nach ner serh interessanten und teilweise lustigen Woche wieder in Ulan Bataar an. Ich hab die Telefonnummer der ersten sehr netten Familie, welche mich bat Freunde und Bekannte direkt zu ihnen zu schicken.. (reiche selbige freilich gern weiter).
..Reimund und sein Pferd/ ..unglaubliche Weiten .. mein Kamel und ich hatten Spass

Transmongolische Eisenbahn

… nun gehts also weiter nach Norden, mit der Eisenbahn natuerlich und erst mal nach Daton. In dieser vom Kohlebergbau gepraegten Stadt gibt es nicht’s wirklich Schoenes zu entdecken, wenn da nich unglaublich fleissige Steinmetze von gut 2000 Jahren allerhand grosse und kleine Buddafiguren in die Felswaende der Umgebung gekloeppet haetten. Herr Kulturminister hat auch hier einen grossen Zaun drum bauen lassen und laesst arme Backpacker ganz schoen bluten.

..Zeitreise Buddismus
Der Anblick entschaedigt dafuer sehr und nachdem ich mich recht satt gesehen habe, gehts am naechsten Tag endlich gen Mongolei.
Die Mongolei beginnt fuer mich mit dem besteigen der Transmonolischen Eisenbahn, welche von Peking ueber Ulan Bator nach Irkuts in Russland fuehrt. Es ist mehr ein rollendes Hotel den eine schnoede Eisenbahn und so rolle ich durch die schier unendlichen Weiten der Inneren Mongolei (in Nordchina) und den Auslaeufern der Gobi Wueste.

..mal kurz aus dem Zug gekuckt/ Die Gobi Wueste unendliche viel Gegend.. auf der anderen Seite auch/ Ulan Baatars Vororte

Ab und zu rattert der 500 bis 600 Meter lange Zug durch kleine Doerfer, die ihre Daseinsberechtigung wohl nur der Eisenbahnlinie verdanken um dann wieder in unendlichen Weiten zu verschwinden.
Ulan Bator kuendigt sich am naechsten Tag mit immer dichter stehenden Jurten (in der Mongolei GER genannt) an und Ploetlich taucht das kulturelle und wirtschaftliche Zentrum der Mongolei auf.
Beim verlassen des Zuges will ich eigentlich sofort wieder einsteigen. Minus 35 Grad in der Sonne machen mir das atmen schwer und in der Nacht gehts dann sogar noch runter auf -40 Grad.

Von Chengdu uber XiAn nach Beijing

Chengdu ist eine hochpolierte Vorzeigemetropole, mit nem nagelneuem U-Bahn System (so ein sauberes und modernes Transportsystem hab ich auf meiner ganzen Reise noch nicht gesehen) , glaesernen Wolkenkratzern, einem modernen Bahnhof und einer riesigen Mao-ste-dung Figur auf dem zentralem Aufmarschplatz. Am Abend trete ich im wunderbarem Travel-Hostel im Federball gegen die Rezeptionsdamen an und verlasse die Stadt am kommenden Tag mit dem Zug gen Xian, welches ich nach nur 14 Stunden erreiche.

..Olle Mao Tse Dong gruesst noch immer in Chengdu die Passanten
Xian ist eine der aeltesten Wiegen chinesischer Kultur und weltberuehmt fuer die oestlich der Stadt gelegenen Graeber welche seit uber 2000 Jahren von Terracottasoldaten bewacht werden. Ein absolutes Besuchs „MUSS“ und so gondle ich am naechsten Tag in nem Kleinbus zu den etwas ergrauten Kombatanten.
Da der Regent, dessen Grab ich nun besuche, ein recht grausamer war, hatte er im hohen alter Angst vor den Seelen der ihm zum Opfer gefallenen und lies sich eine Armee keramischer Soldaten schaffen, welche ihm im Jenseits beschuetzen solten. Die Reste dieser Armee werden seit 30 Jahren unermuedlich zusammen gesetzt und im originalem Grab ausgestellt. Eine gigantische Leistung, kuenstlerisch ausserordentlich und unbedingt sehenswert. Jeder Einzelne Soldat hat sein eingenes Gesicht und ist unverwechselbar modeliert. Im Zug nach Peking sitzend sehe ich mir die Millionen geschossen Fotos an und bin aus neue fasziniert.

..stehen da und warten auf weitere Befehle

am hohen Rand des Himalaja nach Zentral Sichuan

Auf meinem Bustrip „muss“ ich Uebernachtungsstops in den schoenen tibetanischen Orten Xingcheng,Daocheng,Litang und Kangding machen. Die beiden ersten Orte sind fuer mich schon wunderschoen und werden wandernd erkundet. Litang ist dann wirklich echtes Tibet. Alte Frauen werfen sich betend auf dem Weg welcher das alles uebrragende buddistische Kloster umrundet in den Dreck (zwei Schritte gehen, beten, auf die Knie, beten, flach auf die Erde legen, beten, aufstehen, zwei Schitte gehen…usw. der Klosterrundweg ist 2km lang und wird meist mehrere male umkreist; Religion mal anders), tibetanische Halbstarke machen auf chinesischen Motorraedern die Strassen und die Kneipen unsicher, grosse herrschaftliche Haeuser komplett aus Lehm und dazwischen unmassen chinesische Polizisten, die im Falle von Ausschreitungen und Demos sofort alles unter Kontrolle bringen. Auch ich werde beim Fotografieren weit ausserhalb der Stadt von der Polizei gefilzt und zurueck in mein Gaestehaus gefahren, was ganz gut ist den so langsam kuendigen sich leichte Kopfschmerzen an. Die Schmerzen nehmen zu und auch die letzten Reisgerichte kann ich mir noch mal in geordneter Reihenfolge in der Kloschuessen ankucken. Der Grund dafuer liegt eindeutig an meiner recht mangelhaften Akklimatisation. Freund Andreas erklaerte mir hierfuer immer „Climb High-Sleep Low“, was jedoch nur schlecht geht in einem konstantem Hochland von ueber 4200 Metern. So freue ich mich sehr als ich am naechten fruehen Morgen den Bus nach Kanding bekomme, welches auf nur 2500 Metern liegt. Dazwischen liegt wieder ein fantastisches „Bustrecking“ mit Paessen ueber 4700 metern und klaren Aussichten zum 7556m hohen Gongga Shan. Kanding ist dann wieder eine recht gut organsierte, chinesische Kleinstadt von wo ich nach einer Nacht in nem etwas sterielem Gasthaus in die grosse Provinzhaupstadt Chengdu fahre.

..im Bus auf kuehnen Pisten nach Sichuan

..Religion mal anders… die Nasenspitze in den Staub und dann immer ander Wand lang

..das tibetische Litang auf 4200 Metern

..der 7556m hohe Gongga Shan






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